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schlingel

Du glaubst also, du könntest dir einfach so Kapital Aneignen, ohne dass dir letztendlich Gewalt angetan wird, wenn du dich weigerst es zurück zu geben

Natürlich. Der Prozess nennt sich Wertschöpfung. Das ist der oft verteufelte Wachstum. Dein Beispiel mit dem widerrechtlichen Aneignen von fremden Besitz ist fehl am Platz.

Pi mal Daumen kann man glaube ich sagen, dass je größer ein Unternehmen ist, es umso wahrscheinlicher ist, dass diese Arbeiten von Angestellten verrichtet werden

Das stimmt. Allerdings sind das im herkömmlichen Sinne "Bürger" und keine Arbeiter. Da habe ich dich wirklich falsch verstanden.

Deine Wortwahl “Dualismus” suggeriert mir ein “entweder oder”, “Schwarz oder Weiß”, “Gut oder Böse”.

Nein, das bedeutet, dass es ein System mit zwei sich Feedback gebenden Komponenten ist. Ich begreife am einfachsten wenn ich mir das ganze als System mit Komponenten bzw. Akteuren vorstelle, die eigene Ziele verfolgen und optimieren, gleichzeitig aber an die Ergebnisse der Umwelt gekoppelt sind.

Die Synthese ist eben schon mit angelegt, und nicht Abschafung einer Komponente sondern eben die Überwindung des Widerspruchs.

Das ist der Knackpunkt: Ich sehe keinen Widerspruch, sondern sich zwei gegenseitig bedingende Komponenten eines Systems. 

Das im Wettstreit mit weiterer solcher Systemen im Markt um Profit ringt. Wieder eingebetet in ein System der Volkswirtschaft, wieder eingebettet, etc.

Allerdings wird durch technologischen Fortschritt dafür gesorgt, dass sowohl Art wie auch Ausmaß der benötigten Arbeit sich ständig ändert.

Bist du allerdings der Meinung, dass Wertschöpfung ohne Arbeit entstehen kann [...]

Deiner Argumentation zur Folge wäre Arbeit immer mit menschlichem Handeln verbunden. Der Definition zur Folge: Ja.

Sei es zB. in der vollautomatisierten Fertigungsstraße oder in der algorithmisch gesteuerten Datenanalyse. Beides ist im herkömmlichen Sinne Kapital das produktiv Wert schafft.

Die Aufrechterhaltung des Status quo wäre meiner Ansicht nach ohne Gewalt (zumindest pro possibilitate) nicht vorstellbar.

Der Status Quo des Kapitalismus ist Wachstumstreben des Profits Willen. Tatsächlich zeigt die Geschichte, dass dadurch absolute Armut reduziert wird (Trickle Down Economics). Siehe in jüngster Vergangenheit zB. China das sich im Gegensatz zu Venezuela dem Markt geöffnet hat.

Gewalt wird aus anderen Gründen notwendig werden, allerdings nicht wegen des Wirtschaftssystem.

Risiko allein bildet ja kein Kapital. Wenn ich mein Geld in eine Maschine stecke, die dies mit 50% Wahrscheinlichkeit vernichtet erwirtschafte ich kein Kapital.

Wenn ich zur Bank gehe, mein Privatvermögen als Pfand nehme und mir ein paar Hundertausend Euro aufbaue um den Betrieb und das erste Jahr zu finanzieren, risikiere ich mein Existenz. Völlig und persönlich.

Inwiefern das nicht als persönliches Risiko gilt, ist eher eine Frage an dich.

Das Erwirtschaften beginnt dann mit den Betriebsmitteln.

Du meinst, dass man Menschen dadurch dazu animieren sollte ihr Kapital zu investieren (also zu riskieren) damit sie nicht darauf sitzen bleiben.

Nein, ich meine, dass das Kapitalisten tun.

Menschen sollten mit ihrem Besitz und ihrem Leben tun was sie tun wollen. Allerdings auch selbstverantwortlich.

Das Problem daran ist jedoch, dass dies unweigerlich dazu führt, dass der Gewinn sich in den Händen einer stetig kleiner werdenden Gruppe konzentriert

Dieses Problem ist nicht auflösbar. Solange es Menschen gibt, die besser verstehen wie ein System manipuliert werden kann, solange wird es Menschen geben die davon profitieren.

Da haben wir auf der einen Seite Menschen die so reich sind, dass sie nicht mehr in der Forbes-Liste auftauchen wollen und auf der anderen Seite die deutlich mehr im Fokus stehenden "Sozialschmarotzer".

Zudem ist Kapital eine zwar wachsende, aber dennoch begrenzte Ressource, was das Problem verschärft, da letztendlich noch weniger “freies” Kapital zur Verfügung steht und das System an Dynamik verliert.

Jedes Mal wenn eine Grenze erreicht schien, wurde "Kapital" in anderen Bereichen gefunden. Sei es in der Bronze-Zeit als man auf Eisen kam oder im 20. Jahrhundert als der Computer entstand. Nie war es leichter für Menschen selbstständig unternehmerisch tätig zu sein und gleichzeitig scheinen es die wenigsten zu begreifen. Das Internet und der Computer hat mehr für die individuelle Freiheit getan als alle Marxisten zusammen.

Die Vermögensverteilung in den USA seit den Reagonomics zumindest, spricht gegen das Argument (welches ich dir unterstellt habe :^) )

Ich habe nie behauptet, dass Kapitalismus "fairer" sei oder dafür sorgt, dass alle gleichermaßen profitieren. Allerdings gibt es trotz des allgemeinen Anstiegs an Lebensqualität, massive Härten. Deshalb halte ich eine soziale Marktwirtschaft für eine bessere Lösung - auch wenn mir die 50% Lohnsteuer in Österreich bereits sehr schmerzt.

Im schlimmsten Falle hätte sie dann nichts weiter als ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um nicht jämmerlich verhungern zu müssen.

Das ist der schlimmste Fall.

Sowohl im Falle des Bankrottrisikos als auch in dem des Überschuldungsrisikos muss jedoch auch die Möglichkeit des Gewinns betrachtet werden.

Genau. Deshalb ist er bevorzugt zu behandeln.

[...] es ist aber grob vereinfachend zu sagen, sie würden deswegen kein Risiko für ihren Arbeitgeber eingehen. In der Regel richten Leute sogar einen Großteil ihrer Lebensplanung entsprechend aus. [...]

Das hat allerdings nichts mit dem Unternehmenserfolg zu tun. 

Das ist eine persönliche Entscheidung des Arbeitnehmers. BTW: solche Entscheindungen sind ein Grund warum Arbeitnehmer in der Regel ärmer und nicht wohlhabender werden. Wer sich ein Haus kauft muss begreifen, dass es kein Investment ist sondern eine Kostenstelle. Fehler wie dieser führen zur Wertekonzentration in den Händen weniger, btw.

Mit allen Implikationen die das hat, zum Beispiel den Widerspruch zwischen ihren Gebrauchswert und ihrem Tauschwert. Dies Bedingt, dass eine lohnabhängige Person sich eben nicht darauf verlassen kann, dass sie den Einsatz ihrer Fähigkeiten zum angemessenen Preis verkaufen kann.

Dementsprechend hat sich ein freier Mensch auch auszurichten. 

Lohnarbeit wird nie und nimmer dazu genügen Reichtum aufzubauen. Mir erscheinen folgende Gründe, in der Reihenfolge, als die wichtigsten Faktoren dessen:

  1. das Unternehmen bemüht ist, den Arbeitnehmer gerade so zu bezahlen, dass er sich nichts neues sucht und trotzdem die eigenen Kosten möglichst gering zu halten.
  2. der Staat bei dieser großen Gruppe am einfachsten Geld abschöpfen kann. Ich bekomme zB. einen relativ hohen fünfstelligen Betrag als Gehalt nächstes Jahr. Fast die Hälfte davon geht an den Staat. Das was bei mir Brutto am Lohnzettel steht, ist allerdings noch immer weniger als der Arbeitgeber für mich aufwendet.
Wer das umgehen will, muss das Unternehmertum anstreben.

Letztendlich kann die Kapitalseite, wenn sie es denn so will, den Preis der Arbeit beliebig drücken, da die kapitallose Seite keine andere Wahl hat als die Arbeit anzunehmen.

Ich würde dir vollends recht geben, wären wir gerade im Jahre 1897. Allerdings ist in den letzten 120 Jahren derart viel passiert, dass das einfach nicht mehr stimmt. Arbeitnehmer haben gelernt sich zu organisieren und zusätzlich steht das Unternehmertum allen offen.

Ich begrüße den europäischen Mittelweg mit seinen Einschränkungen und Regulierungen, und sehe den zunehmenden Abbau derer kritisch

Ich auch. Allerdings muss es immer wieder Anpassungen geben. 

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl