Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.
schlingel
1274 6c3f 500

Ich habe “Atlas shrugged” fertig gelesen. Ein Buch mit 1189 Seiten auf dem eine sozialistische Dysotopie ausgebreitet wird die von einer kapitalistischen Unternehmerelite durch Enthaltung der schöpferischen Leistung zerschlagen wird.

Das Buch ist langatmig. Das Buch ist voll mit ewig langen Monologen. Das Buch besteht hauptsächlich aus Intrigen im Wirtschafts- und Politik-Business. Dennoch war es in meinen Top 3 der Bürcher die mich wirklich in ihren Bann zogen. Immersiv, ein Wort das ich so gut wie nie für Literatur gebrauche, fällt mir dazu als erstes ein.

Aber was ist so spannend daran? Die Summe der Gegenentwürfe und Fragen die zu Ideen aufgeworfen werden die wir gar nicht mehr wahrnehmen. Das Hinterfragen von Ideen und Einstellungen die unter dem Deckmantel hohler Phrasen wie “sozial” und “für die Allgemeinheit” ins Unterbewusstsein kriechen ist spannend.

Das Buch schafft es Charaktere die sich als mitleidlos und eigennützig definieren sympathisch zu machen.

Meiner Meinung nach, fußt das ganze Buch auf zwei sehr starken Eindrücken denen Rand ausgesetzt war. Zum einen das Ermatten der Massen als die Bolschewiki und deren Aparatschiks die UDDSR aufbauten und zum anderen den energetischen Optimisums den sie in den Staaten fühlte.

Das sind auch die zwei Grundströmungen im Buch. Zum einen die politische Elite, die zwar demokratisch legitimiert ist, aber durch gezielte Desinformation, Angstpropaganda und Wohlfahrtsversprechen das Volk in eine frustrierende, apathische Starre zwängt und zum anderen das Gefühl der Unternehmerelite; das egomanische Selbstvertrauen die ganze Welt in einem offenen Wettstreit für den eigenen Vorteil auspressen zu können.

Die “echten” Unternehmer, die Rand völlig ironielos ausnahmslos als große, drahtige aber vor allem schöne und intelligente Menschen darstellt, zumindestens Experte im eigenen Industriezweig aber doch oft Ingenieur, Chemiker, Physiker oder Philosophieprofessor, sind dabei die einzigen Menschen die zu echten Emotionen fähig sind.

Es sind die einzigen Menschen die das Leben spüren können und daher die einzigen die wirklich leben wollen. Dementsprechend sind sie auch gegen jegliche Form von aufoktroyierten Autorität – sei sie staatlich oder religiös.

Diese Art Übermensch ist Atheist, staatenlos, völlig eigennützig und daher der Ursprung allen Wohlstands und zwar aller. Er führt die Menschen. Staatliche Regulationen, wie z.B. Untersuchungen ob neue Materialien für Schienen auf denen Tausende Menschen fahren sind unnötig. Wäre das Material schlecht würde der Unternehmer Verlust machen, daher verwendet er das nicht. Passiert doch etwas, dann liegt das ausnahmslos an staatlich gestützter Autorität die, die unsichtbare Hand fehlleitet.

Und da offenbart sich auch schon das Problem dieses wortgewaltigen Epos: es gibt ein unbegründetes Vertrauen in Egoismus. Für eine Philosophie die sich “Objektivismus” taufte, fehlte es da an Einsichten die z.B. das Gefangenendilemma liefern könnte. Wenn jeder nur für sich arbeitet, ist das noch lange nicht das Beste für Alle. Im Gegenteil, dem Einzelnen kann durch die Vielzahl der egoistischen Entscheidungen erheblicher Schaden zugefügt werden.

Dennoch: Das Buch aber auch die Autorin sind interessant. Ich finde jeder sollte zumindestens Atlas shrugged gelesen haben. Ein Buch das viele intelligente Denkanstöße bereit hält.

Auch wenn Rand als antifeministische, antimarxistische, antilinke und kapitalismusgläubige Autorin deshalb nicht im Verdacht stehen mag. Spannend sind übrigens auch die Interviews aus den 70ern - inkl. Vorhersage wie die UDSSR untergehen wird - sie hatte recht. 
Tags: argument

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl