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schlingel

Ein Zombie in der Stadt

Und dann schoss er mir in den Kopf. Von hinten. Die Sau! Was darauf folgt ist schwer zu beschreiben. Es ist kein langsames Entschweben, kein langsames Eindunkeln und Abdämpfen der Wahrnehmung - es ist einfach aus.

Augen zu und weg. Keine traurige Musik die das Dahinscheiden in den buntesten Grautönen schattiert. Auf einmal ist es einfach vorrüber.

Das tatsächlich schlimme ist dann das Erwachen. Der Geist ist tumb und träge, der Körper unbeweglich und betäubt. Die Glieder krachen wenn man sie von sich streckt und so schleppt man sich vorwärts.

Zumindest habe ich mir den Rückblick erspart. Endlose Sequenzen aus einem Leben voller peinlicher Durchschnittlichkeit, übertriebenen Euphemismen des sexuellen, intellektuellen und physischen Unvermögens. Ein Film dessen Höhepunkte Video- und Trauerspiele waren. Doch es muss weiter gehen. Seelenloser Fleiß verlangt nur nach dem Körper und nicht nach dem Geist. Also hiefe ich mich auf und suche die Motivation mich weiter anzutreiben.

Der Antrieb? Ich weiß nicht, als Kind hatte ich mich das schon gefragt: Was treibt diese Wesen an? Warum tun sie das? Schleppen sich auf die Lebenden hin und verschlingen sie mit Haut und Haar. Sie stürzen sich in ihrer holprigen Stätigkeit, dem schlurfenden Grau der unbarmherzigen Gewohnheit auf ihre Opfer und schlagen ihre Hauer ins lebendige Fleisch.

Als Sukkubus der nach dem gefühllosen Jetzt, der glückseeligen Auflösung, sucht, wird genau dies aufgesaugt. Tote Auge starren in ängstliche Gesichter und lassen Zähne vor dem Angriff aufblitzen. Die vertrockneten Lippen werden auseinander gezogen, wie wenn sie den Weg für eine stumme Nachricht freigeben müssten: Wenn ich nicht lebe, sollst du es auch nicht.

Und mit diesem Satz, der wie Feuer in den Hirnwindung brennt da er wie eine Drohung auch eine Offenbarung für den Rest meines Geistes ist, lodert ein leidenschaftsloser Ehrgeiz auf. Es muss vertilgt werden. Es muss verschlungen werden. Es muss vernichtet werden.

Blanker Hass, auf mich, auf meines Gleichen und vor allem auf alle die anders sind, drängt mich schlurfend einen Fuss vor den anderen zu setzen. Stöhnend steige ich die Stufen aus meiner Wohnung herab, trete auf die Strasse heraus und folge dem unsichtbaren Band, dass die Gefangenen zwischen Tod und Leben, fest eingewickelt in einem scheinbar vorgegebenen Pfad an sich zieht. Was zieht an den Bändern? Was wickelt mich ein? Warum reiße ich mich nicht los und fliehe?

Bevor ich verstehe was ich tue, dränge ich mich zwischen die anderen Leichen und schiebe meinen Körper durch ihre Masse hindurch. Rücksichtslos, ohne Verständnis oder Mitleid, setze ich Gewalt ein. Es zieht mich immer weiter voran und lautlos, sprachlos, verliere ich mich. Ich verliere mich im Treiben. Ich muss mich vorantreiben. Darüber nachdenken kann ich nicht. Darf ich nicht. Werde ich nicht.

Plötzlich bin ich da. Ein Raum. Das Büro. Es ist wie immer. Gefangen zwischen Leben und Tod.

Tags: argument
Reposted byver0nikap856

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Schweinderl